„Mut ist eine der wichtigsten Eigenschaften“

Das Ensemble21 rund um Rita und Georg O. Luksch ist mehr als ein kultureller Nahversorger. Auf stets innovative und erfrischende Weise bringt es brisante, besonders interessante und auf mehreren Ebenen berührende Stücke auf die Bühne. Historie wird kritischer Zeitgeist. Schauspiel, Musik und Bild erschaffen in einem packenden Mikrokosmos eine gefühlt selten gewordene Nähe zum Publikum. Der Neue Wurf: „Kassandra 4D“ hat am 23.2.2026 in der TheaterArche in Wien (Mariahilf) Premiere. In dem Musiktheater wird eine der beeindruckendsten Frauenfiguren der Antike lebendig, die durch ihr Hinschauen, ihr (Voraus)Sehen und das Benennen von Wahrheiten gesucht wie gefürchtet und angefeindet wurde. KULTURTODATE hat etwas vorgefühlt, Rita Luksch gibt erste Einblicke.

Über das Musiktheater Kassandra 4D.
Rita Luksch: „Es ist eine sehr packende mythologische Geschichte wahren Ursprungs, die ich mit heutigen starken und wichtigen Themen verknüpft habe. Auf der Bühne ist die Kassandra aus Troja aber auch eine Kassandra, die sich an den Theorien von Nobelpreisträger Albert Einstein, den richtungsgebenden Weisheiten der Friedensbotschafterin Jane Goodall und auch meinen persönlichen Erfahrungen orientiert. Dazu gibt es von Georg O. Luksch live auf der Bühne wunderschöne Musik auf ganz besonderen Instrumenten: schwebende Klänge in Quadrophonie, die durch den Raum wandern – das Publikum darf übrigens beim Fest des Apollon auch gerne im Raum zur Musik tanzen. Die faszinierenden Visual von Erich Heyduck laden zu einer gedanklichen Reise in den Kosmos ein.“

Rita Luksch in „Kassandra 4D“ | Foto: Ensemble21

Über die Idee.
Rita Luksch: „Die griechische Antike finde ich besonders interessant, da es zu dieser Zeit große Umbrüche im Machtgefüge gab. Das führte zu Konflikten zwischen Völkern, zwischen Mann und Frau im gesellschaftlichen Leben. Ich sehe viele Parallelen zur heutigen Zeit. Auch jetzt ist wieder eine Phase der großen Umbrüche. Das ist sehr spannend. Wir stecken da mitten in Entwicklungen, die in die eine oder in die andere Richtung gehen können. Und diese Entwicklungen werden voraussichtlich große Auswirkungen auf die Zukunft der Menschheit haben.“

Über die Faszination und Zeitlosigkeit von Kassandra.
Rita Luksch: „In der europäischen Tradition gelten viele Regeln, die zur Zeit der alten Griechen aufgestellt wurden, bis heute. Über Jahrtausende wurden die gleichen Denkmuster gelehrt und weitergegeben. Viele Jahrhunderte lang wurden neue Entwicklungen nicht gerne gesehen. Das Machtgefüge sollte erhalten bleiben. Albert Einstein, bekanntlich ein sehr kluger Kopf, hat gesagt: eine neue Art von Denken sei notwendig, wenn die Menschheit überleben will. Jane Goodall hat es uns vorgelebt. Mutig ging sie als junge Frau in der Verhaltensforschung ganz neue Wege. Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse haben unsere Sicht auf die Tierwelt grundlegend verändert.“

Über eine wichtige Botschaft des Stücks.
Rita Luksch: „Mut ist eine der wichtigsten Eigenschaften, auch in unserer Zeit. Gerade die junge Generation ist gefragt, sich zu überlegen, wie wir auf diesem Planeten nachhaltig leben können. Damit es möglichst allen Menschen und Tieren gut geht – auch in Zukunft. Wir wissen mittlerweile, wie wichtig die Erhaltung der Artenvielfalt für die Rettung der Ökosysteme ist.“

Über Erkenntnisse beim Erarbeiten des Stücks.
Rita Luksch: „Kassandra hatte es damals vor über 3000 Jahren sehr schwer, als Frau gehört zu werden. Sie war eine Visionärin, hat Dinge vorhergesehen, die andere auch sehen hätten können. Die Sucht nach immer mehr Reichtum hat die Mächtigen blind gemacht und taub für ihre Warnungen. Heute haben Frauen glücklicherweise schon viel mehr Möglichkeiten und werden, zumindest bei uns, gehört. So steht die Hoffnung im Mittelpunkt des Stücks, dass wir gemeinsam in eine gute Richtung weitergehen.“

Rita Luksch & Georg O. Luksch (Ensemble21) in „Kassandra 4D“ | Foto: Ensemble21

Über das Zusammenwirken von Text, Schauspiel, Musik und Film.
Rita Luksch: „In meiner Inszenierung ist es mir sehr wichtig, dass der Text wirklich dicht mit der Musik verwoben ist. So entsteht eine fesselnde Sogwirkung. Auch anspruchsvollere Szenen werden für das Publikum emotional stark erlebbar, die Klänge von Georg Luksch gehen einfach direkt hinein in die Seele und das Herz. Die Beats reißen auch körperlich mit. Das freut mich besonders, wenn das Publikum in der Mitte des Stücks aufsteht und mit mir durch den Raum tanzt. Das gehört auch dazu: eine Party – das bleibt in Erinnerung. Die Visuals sind eine fast psychedelische Ergänzung: da können die Zuschauer in eine eigene Welt eintauchen. Es entstehen ganz individuelle Assoziationen. Wenn wir nach der Vorstellung noch mit den Zuschauern plaudern, ist es für mich sehr bereichernd zu hören, dass die Gedanken weitergehen.“

Hinterlasse einen Kommentar