Filmnotiz: „Black Swan“ (2010)

Bereits in „Goyas Geister“ hat Natalie Portman mit ihrer Wandlungsfähigkeit positiv überrascht. In „Black Swan“ treibt sie es zum Exzess. Prima Vista ein Tanzfilm, der, wie bereits in „A Chorus Line“ (Musical: 1975/ Film: 1985), die Härte des Berufs im Casting- und Probenprozess darstellt mit all seinen physischen sowie psychischen Grenzen und deren Überwindung, gestaltet es sich auch als zutiefst inkorporiertes Drama der Protagonistin in der verzweifelten Auseinandersetzung mit eigener Person und Persönlichkeit. Wie „Die Ballerina“ von Günter Grass (1985) musterst sie im Spiegel ihre Erscheinung. Blass und zitternd vor der Herausforderung in eine Rolle zu schlüpfen, in der sie sich nicht zu Hause fühlt. Tschaikowskys Schwanensee steht auf dem Programm. Wie geschmeidig kann sie sich einfügen in die Rolle des weißen Schwans, die kleine, brave, unter den Fuchteln der Mutter lebende Tochter. Gäbe es da nicht den Konterpart. Im Schwarzen war sie noch viel zu weiß. Zu sehr „Femme Fragile“, die zu Zeiten der Entstehung des wohl berühmtesten Werkes klassischer Ballettgeschichte (1877) von der Männerwelt übersehen und, da zu timide und ordentlich, unbegehrt war. Nein: eine Sphinx, eine männerverzehrende „Femme Fatale“, welche die verbotenen Reize ihrer Früchte auswirft, als verderbliche Köder. Sich von sich selbst zu entfremden, im Stück eine Schizophrenie zu entwickeln, treibt die Tänzerin in eine erschütternde Selbstverzehrung. Sie kasteit sich bis auf das Blut ihrer Füße, bis auf die Risse ihrer Haut, bis sie den Schmerz nicht mehr spürt und ihr Spiegelbild zerbricht. Für die Selbstverwirklichung eines exzentrischen, narzisstischen, erfolgsverwöhnten Choreographen. Natalie Portman, die sich selbst zur Rolle hungern musste, schöpft darin die zurecht oscarprämierte breite Klaviatur ihres Könnens aus.

 

 

 

 

 

 

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