Bauernleben im Salzburger Seenland

Vor den Toren Salzburgs eröffnet sich ein besonders idyllischer Landstrich: das Salzburger Seenland. Um Wallersee, Mattsee, Grabensee und Obertrumer See bettet sich eine leicht hügelige Landschaft, deren Schönheit nicht zuletzt der Pflege ortsansässiger Bauern zu verdanken ist. Papke Film taucht den sommerlichen Charme der vielseitigen Region ein und begegnet Menschen, die mit Herz für ihr besonderes Tun den Charakter des Seenlandes mitprägen.

Kaum ist die Sonne über dem Wallersee aufgegangen, fährt der erfahrene Fischer Christian Kapeller hinaus auf „seinen“ See. Mit zwölf Jahren warf er das erste Mal die Netze aus. Heute ist er 92 und noch immer bringt die Schönheit seines Arbeitsplatzes seine Augen zum Glänzen: „Ich muss überall hinschauen. Auf das Wasser, ob sich was rührt am Ufer draußen. Da herinnen entgeht mir nichts. Und das ist halt für mich so praktisch eine Erholung.“ Tatkräftig bringt er sich nach wie vor in den Familienbetrieb ein. Enkel Christoph Kapeller ist es auch, der die allmorgendlichen und allabendlichen Seegänge seines Großvaters begleitet. Er hat auch einiges von dessen Leidenschaft geerbt: „In einer Fischerfamilie geboren, wachst du in der Natur auf. Du bist bei jedem Wetter draußen. Egal, ob es regnet, ob Schönwetter. Und vor allem, du lernst von klein auf einfach den Lauf der Natur und mit den Fischen umzugehen. Du lernst das Wasser zu schätzen. Du bist allein, kannst die Ruhe genießen, bevor der Trubel wieder losgeht.“

Am Bauernhof Hansenbauer in der Marktgemeinde Mattsee, mit Ausblick auf die bayerischen und oberösterreichischen Berge, hat sich der junge Bauer Franz Strasser auf für die Region ungewöhnliche landwirtschaftliche Pfade begeben. Er hat von Kühen auf Ziegen umgesattelt. Aber mit diesem Tier hat man es nicht immer leicht, schmunzelt Stasser: „Eine Ziege kann sehr stur sein. Aber sie ist sehr gefinkelt. Und sehr zerstörerisch. Eine Ziege kann sehr zickig sein. Wenn sie nicht will, dann will sie nicht.“ Strasser führt den Betrieb im Nebenerwerb, „wofür sicher etwas Idealismus dazugehört.“ Dennoch war es für ihn immer klar, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Seine Mutter Monika Strasser, die sich auch gerne um die Enkel kümmert, ist von der Wichtigkeit des Bauernstandes und von der Qualität des Landlebens überzeugt: „Ich täte es jedem Stadtkind wünschen, dass es das einmal haben könnte. Einfach einmal leben und sehen, wo alles herkommt. Dann hat man auch wieder Respekt.“

Über dem Obertrumer See liegt mit dem Aicherbauer der Hof des gastfreundlichen Landwirts Johann Greischberger, in der Gegend auch als „Holzstöcklbauer“ bekannt, denn an einem Schlechtwettertag schlug der Bauer Holzklötzchen aus Fichtenholz aus dem eigenen Wald, um den Kindern von Urlaubsgästen etwas zum Spielen anbieten zu können. Seither fertigt der Bio-Heumilchbauer regelmäßig neue dieser „Stöckerl“ genannten Klötzchen, die mittlerweile auch sogar verkauft werden. „Das Material für die Holzstöckerl kommt ausschließlich aus den eigenen 12 Hektar Wald. Es wird im Winter geschlagen und die Fichtenstöckerl von Hand bearbeitet“, verrät er. Da der gesellige Mann mit seiner Region engstens verwurzelt ist und gerne gute Laune pflegt, dauert es nicht lange, bis er seine Gitarre holt und ein Volkslied aus der Region zum Besten gibt. 

Über die bäuerliche Tradition der Gegend, weiß Ortschronist und Historiker Alfred Huemer bestens Bescheid. Als Obmann des Heimatmuseums Obertrum sitzt er im sogenannten „Einlegerhaus“, einem alten Bauernhaus, das sich der Dokumentation des regionalen Lebens widmet. Seine Forschungstätigkeit hat einen ganz besonderen Motor. „Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen und wo alle die Sachen herkommen, die wir tagtäglich benützen. Das ist das um und auf.“ In der alten Stube von Bauersleuten erinnert er sich an früher: „Die Bauern waren Selbstversorger. Er hat sich um das Fleisch, um das Fett, um die Eier und alles, was er für die Fortführung der Landwirtschaft gebraucht hat, kümmern müssen. Oder man hat den Flachs angebaut.“ Wie wichtig die Flachsherstellung in der Region war, davon zeugt ein altes Brechelbad zu Webersberg in Seeham, das der engagierte Landwirt Hans Steiner vor dem Verfall gerettet und in mühevoller Kleinarbeit wieder aufgebaut hat, um den Menschen den damaligen Weg der Flachsverarbeitung veranschaulichen zu können. „Das Leinen hat früher einen gewaltigen Wert gehabt. Und es ist einfach so, dass in Seeham fast bei jedem Bauern ein Brechelbad gestanden ist – oder mehrere Bauern haben ein Brechelbad gemeinsam gehabt und haben ihren Flachs da gedörrt und dann gebrechelt.“ Mitten im Seenland erhebt sich mit 801 Meter der sogenannte Mattseer „Buchberg“. Ein ganz besonderer Kraftplatz. 2009 gegründet, gilt er als Salzburgs jüngster Naturpark. Er bietet Ausblick auf mehr als 120 schroffe Kalkalpengipfel und sanfte Hügel. „Er ist schon seit jeher ein besonderer Ort. Und das ist auch damit dokumentiert, dass die Illyrer um 600 vor Christus bei uns Hügelgräber angelegt haben, wo Kraftplätze sind“, weiß Stefan Handlechner, einer der Initiatoren des Naturschutzprojekts. Neben seinem Engagement für den Naturpark, pflegt der Landwirt auf seinem Hof nächst des Buchbergs seine Liebe zu den Pferden.

Unten am See liegt der Seewirt. Das Haus ist eng mit der Geschichte von Mattsee verbunden, wie uns der junge Gastwirt Helmut Blüthl verrät: „Dr. Heinrich Wallmann ist direkt im Seewirt auf die Welt gekommen und ist dann Militärarzt gewesen in Wien. In Wien hat er Geschichten über Mattsee geschrieben. Und so hat er Mattsee bekannt gemacht. 1869, zum Geburtstag von Kaiser Franz Josef, ist das Seebad in Mattsee – das erste in Salzburg – eröffnet worden.“ Am Mattsee in seinen selbstgebauten Booten über die Wellen zu gleiten, liebt Hermann Steiner, dessen Familie sich schon seit Generationen dem Bootsbau vor Ort widmet. „Das Tolle am Bootsbauen ist, dass man etwas baut, mit dem man nachher fahren kann.“ Ein Kernstück aus seiner Werft ist der sogenannte „Lateiner“. Ein kleiner Segler, der bald beliebtes Ausflugsboot im Seenland wurde. „Fast alle haben einen Lateiner da gehabt, damit sie sich am Wasser bewegen haben können.“

Ein geheimnisvoller Platz im Seenland ist der sogenannte Teufelsgraben in Seeham. Im verschwiegenen Naturjuwel, nebst einem mächtig rauschenden Wasserfall, steht eine der letzten sich noch in Betrieb befindlichen Kugelmühlen. Kugelmüller ist hier der hauptberufliche Geologe Paul Herbst. Zum einen fasziniert ihn der Erhalt des alten Handwerks, das bereits im 16. Jahrhundert Munitions-, Ballast- und Spielzeugkugeln herstellte. Zudem bewegt ihn seine Leidenschaft für Steine: „Steine sind halt immer auch etwas sehr Schönes und Interessantes, weil es nie zwei gleiche gibt. Und in der Kugelmühle kann ich aus einem meiner Lieblingsrohmaterialien ein formschönes Produkt herstellen.“

Vom Obertrumer See herüber locken die Klänge des Platzkonzerts der Trachtenmusikkapelle Seeham. Ein würdiger Ausklang für unseren Streifzug.

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