Habsburgs Allüren

Die Habsburger waren eine gediegene, strikten Traditionen verpflichtete Herrscherfamilie. Apart und geschliffen gaben sie die Aushängeschilder der Donaumonarchie. Doch im Schatten des Thrones gab es auch die schwarzen, verrückten und verliebten Schafe der Familie. Gekennzeichnet durch schräge Charaktere, eigenartige Vorlieben oder ungewöhnliche Freizeitbeschäftigungen. Die neue Dokumentation von PapkeFilm spürt für „Erbe Österreich“ den habsburgischen Sonderlingen, ihren Lieblingsplätzen und bemerkenswerten Biographien nach. Erstausstrahlung 25.01.2022, 20:15, ORF III.

Das liebe Geld machte den Habsburgern zuweilen das Leben schwer. Umso leichter fiel es manchen Mitgliedern des Herrscherhauses, das Geld mit beiden Händen auszugeben. Seine Träume zu realisieren und seinen Neid auf den herrschenden Bruder Franz Josef zu kompensieren, ließ sich Erzherzog Ferdinand Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko, einiges kosten.

Spätestens im 19. Jahrhundert nahmen die Affären und Unsittlichkeiten wahrnehmbarer zu und belasteten die Reputation des Kaiserhauses immens. Eines der Sorgenkinder des Kaisers war Erzherzog Johann Salvator. Er wollte seine Geliebte Milli Stubel, Tänzerin an der Wiener Hofoper, heiraten und in den Sonnenuntergang segeln. Allerdings misslang das Manöver und das Familienmitglied des Herrscherhauses ging unter mysteriösen Umständen, wohl bei Afrika, samt Schiff und Geliebter unter.

Für einen anderen Skandal sorgte Erzherzog Leopold Salvator. Wollte er doch die Prostituierte Wilhelmine Adamovicz ehelichen. Sofort schickte ihn der Kaiser in eine Anstalt für Nervenkranke, doch hielt Leopold am damit vorgzeichneten Scheiterweg fest.Genauso wie seine Schwester Luise von Österreich-Toskana, die von einer misslungenen Liaison in die nächste stoplperte.

Nur einer hatte ein Happy End. Der in Graz stationierte Feldmarschallleutnant Erzherzog Heinrich verliebte sich in die Sängerin Leopoldine Hofmann. Um sie ehelichen zu können, trickste er in Bozen zwei Kirchenväter aus, heiratete heimlich und begab sich selbst ins Exil. Groß war die Überraschung, dass der Kaiser ihn persönlich wieder in die Familie aufnahm.
Schließlich hatte seine Majestät selbst mit seiner geliebten Elisabeth eine Frau mit extremem Charakter an seiner Seite, mit der nicht immer gut Kirschenessen war und die unter anderem eine Reisetoilette in Form eines Delfins mit sich führte. Heinrich führte fortan in Bozen eine zurückgezogene und glückliche Ehe mit seiner Poldi und wurde zum Wohltäter der schmucken Südtiroler Stadt.

In der Doku überzeugen junge talentierte österreichische Darstellerinnen und Darsteller.
Johannes Benzinger als lausbubenhafter Erzherzog Johann Salvator und die vielseitige Schauspielerin Jennifer Linda Gross als seine auserwählte Geliebte, die Tänzerin Milli Stubel.
Felix Krasser als phänomenal zwischen Verliebtheit und Wahnsinn pendelnder Erzherzog Leopold Salvator und Jana Berger als flatterhafte, von ihm geehelichte Prostituierte Wilhelmine Adamovicz. An der Seite von Rainer M. Bertl als liebenswerter Erzherzog Heinrich, ist Victoria Schwabl in der erfrischenden Rolle der Sängerin Leopoldine Hofmann zu sehen. Dazu überzeugt Daniela Spreitzhofer als egozentrische und eitle Kaiserin Elisabeth.
Weiters äußerst beeindruckend geben sich Raphael Macho als narzisstischer und selbstgefälliger Erzherzog Ferdinand Maximilian, sowie Marilen Haas als Luise von Österreich-Toskana, die draufgängerische Schwester von Leopold Salvator. Nicht zu vergessen die unvergleichliche wie facettenreiche Ina Soléa, die der Rolle einer erzherzöglichen Soubrette eine bemerkenswerte Tiefe verleiht.
Bleibt zu wünschen, dass es künftig öfters Raum für derartiges Potential auf der ORF-Bühne gibt.

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